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Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945 - 1989

Über vierzig Jahre Literaturgeschichte, die nicht stattfinden sollte, die unterdrückt und auch nach 1989 bislang kaum in den Blick genommen wurde: Ines Geipel und Joachim Walther erzählen sie.

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Verlag Lilienfeld Verlag
ISBN 9783940357502
2022

Erscheinungsdatum: 30.05.2022 . 1. Auflage . 432 Seiten. 20.5 x 12.5 cm . Fadenheftung . Hardcover .

Hardcover

noch nicht erschienen
Über den Artikel

Über vierzig Jahre Literaturgeschichte, die nicht stattfinden sollte, die unterdrückt und auch nach 1989 bislang kaum in den Blick genommen wurde: Ines Geipel und Joachim Walther erzählen sie.

Der DDR-Diktatur ist es gelungen, auch nach ihrem Untergang das Gedächtnis der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Geschichte des literarischen Schaffens zu beeinflussen. Das einfache Bild, das während ihrer Existenz vorherrschte, ist das von den staatstragenden Künstlern und deren Kontrapunkten , den kritischen, aber trotzdem loyalen Autorinnen und Autoren, die oft auch im Westen zu Berühmtheit gelangen konnten. Ein sehr geschöntes Bild, denn in Wahrheit ist dies nur der zugelassene Teil der Literaturgeschichte - bestimmte Stoffe und Ästhetiken, ja, alles wirklich Nonkonforme, Experimentelle, Widerständige wurde konsequent behindert, unterdrückt, verfolgt, verschwiegen, abgelegt und weggesperrt. Wenn Kunst etwas mit Freiheit zu tun hat, dann ist dies die wahre Literaturgeschichte Ostdeutschlands, und sie muss gegen die nach wie vor zähe Propaganda eines Systems erzählt werden. Ines Geipel und Joachim Walther tun dies detail- und kenntnisreich und eröffnen den Blick auf ein literarisches Leben, das trotz lebensgefährlicher Konsequenzen für die Freiheit des Wortes einstand.

Leseprobe:
Zur Chronik der Notunterkünfte bedrohter Manuskripte in der DDR gehört die Tatsache, dass das rein Physische der Texte zur existentiellen Gefahr für die Autoren werden konnte. Mussten in der frühen DDR Autorinnen und Autoren im Zuchthaus durchweg ohne Papier auskommen und aus dieser Zwangssituation heraus eine eigene Form des mündlichen Memorierens begründen, berichten widerständige Autoren der späteren DDR immer wieder von sorgsam bedachten Textaufbewahrungsorten, etwa in der Jauchengrube, im Kartoffelkeller, zwei Meter tief unter der Birke im Garten, von Verstecken in Schließfächern auf Bahnhöfen, eingenäht in Kissen, in den Spielzeugen ihrer Kinder oder unter Holzdielen. Hatten widerständige Autoren mit der permanenten Angst zu leben, dass das, was sie dachten und fühlten, als Text greifbar werden könnte, so lebten Apparat und Geheimdienst in dem Dauerwahn, dass sie diesen ortlos gemachten Text nicht greifen, seiner nicht habhaft werden könnten, was eine ganz eigene Phänomenologie der Textverstecke begründete.

über die Autoren
Ines Geipel

Ines Geipel, geboren 1960, ist Schriftstellerin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach ihrem Germanistik-Studium aus Jena nach Westdeutschland und studierte in Darmstadt Philosophie und Soziologie. 2000 war sie Nebenklägerin im Prozess...

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Joachim Walther

Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, war Sprintweltrekordlerin, beendete 1985 aus politischen Gründen ihre Sportkarriere und flüchtete 1989 in die Bundesrepublik. Seit 1996 arbeitet sie als Schriftstellerin und Publizistin. 2000 war sie Nebenklägerin im Berliner Doping-Prozess. Seit 2001 ist sie Professorin an der Hochschule für...

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