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Die Heiligen Drei Könige

Wie die Fremden erfunden wurden

Woher stammen Caspar, Melchior und Balthasar? Wir kennen in der christlichen Tradition alle die Legende von den „Sterndeutern aus dem Osten“. Sie ist die immer wieder neu erfundene Geschichte von Europa und seinem Bild vom Fremden. So wurde bisher nie von ihnen erzählt.

Verlag AB - Die Andere Bibliothek
ISBN 978-3-8477-0432-4
2020

1. Auflage, Nummerierte Ausgabe . Erscheinungsdatum: 08.12.2020 . 300 Seiten. Die Andere Bibliothek . Hardcover .

Hardcover

noch nicht erschienen
Über den Artikel

Aus einem einzigen Satz in der Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums ist über Jahrhunderte hinweg eine Überlieferung geworden, die zum Kernbestand unserer heutigen Kultur gehört. Mit der Erzählung von den „Heiligen Drei Königen“ ist eine kaum zu überschauende Fülle an Darstellungen entstanden, ein ganzes Bildprogramm, an dem sich ablesen lässt, wie sich ein Motiv über die Jahrhunderte immer weiter fortspann.
Christoph Sehl verfolgt mit enormem Wissen dessen Entstehen und seine Staunen machenden Verwandlungen: Wie die „Magi ab oriente“ – die Weisen oder Priester aus dem Osten, von denen der Evangelist Matthäus spricht – zu dritt aufzutreten begannen, wie aus ihnen Könige wurden, sie zu ihren Namen kamen – und wie Balthasar plötzlich, im 15. Jahrhundert, als Schwarzer vorgestellt wurde. Wir lesen die Erzählung von den Heiligen Drei Königen als Schlüsselgeschichte von der europäischen „Erfindung der Fremden“.
In spätantiken Mosaiken von persischen Magiern oder mittelalterlichen Bildern von der „Anbetung der Könige“ zeigt Christoph Sehl, wie sehr ihre Darstellung von den jeweils herrschenden Ängsten in Europa abhing. Ihre Erfindung ist eine Politische: Ohne den Besuch der weitgereisten Weisen hätte die Geburt Christi kaum die globale Bedeutung erhalten, die das Selbstverständnis des christlichen Europas ausmachte. Als Grundlage für die Bilder von Fremdheit sind sie bis in die jüngste Zeit Ressource unserer Fantasie –in den Bildern des heutigen Krippenspiels sind Spuren zu finden, die eine zweitausendjährige Arbeit am Mythos hinterlassen hat.
Christoph Sehl entwirft im Blick auf die Tradition einer Legende die Erzählung eines Konflikts – der handelt von Europa und seinem Umgang mit dem „Fremden“. In Zeiten von Migration und Konflikten in Nahost ist es akuter denn je, die Geschichte der Heiligen Drei Könige zu verstehen.

über die Autoren
Christoph Sehl

Christoph Sehl, geboren in Ulm, hat Philosophie, Kunstgeschichte, Literatur- und Theaterwissenschaft studiert. Anschließend Tätigkeiten als Bühnenbildner, Künstler, Kurator und Autor. Seine Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Postkolonialismus und Orientalismus. Er hat in den Magazinen und Zeitungen Monopol, taz, Frankfurter Allgemeine...

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