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Sämtliche Gedichte

Das schmale lyrische Gesamtwerk von Tomas Tranströmer hat auch außerhalb Schwedens großen Einfluß ausgeübt; besonders aber in Deutschland. In seinen Gedichten kommt eine innere, erträumte Welt hinter der Wirklichkeit zur Sprache, die in ihrer exakten Schönheit ein Gegenbild zeichnet.

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Verlag Hanser, Carl
ISBN 9783446189614
2001

12. Auflage . 2001 . 264 Seiten. 20.3 x 12.3 cm . Paperback .

Softcover

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Über den Artikel

Schubertiana (Auszug)

I

Im Abenddunkel auf einem Platz außerhalb von New York, ein Aussichtspunkt, von dem aus man mit einem einzigen Blick die Wohnungen von acht Millionen Menschen umfassen kann.
Die Riesenstadt in der Ferne dort ist eine lange glitzernde Wehe, ein seitlich gesehener Spiralnebel.
Drinnen im Spiralnebel werden Kaffeetassen über die Theke geschoben, die Schaufenster betteln die Vorbeigehenden an, ein Gewimmel von Schuhen, die keinerlei Spuren hinterlassen.
Die kletternden Feuerleitern, die Fahrstuhltüren, die zusammengeleiten, hinter Türen mit Sicherheitsschlössern ein ständiger Stimmenschwall.
Zusammengesunkene Leiber dösen in den Wagen der Untergrundbahn, den vorwärts rasenden Katakomben.
Ich weiß auch – ohne jede Statistik –, daß jetzt in irgendeinem Zimmer in der Ferne dort Schubert gespielt wird und daß für jemanden diese Töne wirklicher sind als all das andere.

(aus: Tomas Tranströmer. Sämtliche Gedichte. Edition Akzente, München 1997, aus dem Schwedischen von Hanns Grössel © Carl Hanser Verlag)

»Hanns Grössel muß für die Übersetzung gedankt werden. Man liest sie als deutsche Literatur. Sie ist schlank, treffend und evokativ, Poesie eben, Gefäß für das Unvergeßliche.« Frankfurter Rundschau

»Der Poet Tomas Tranströmer hat es verstanden zu warten auf Erfahrungen, die ganz seine und doch immer auch Erfahrungen jedermanns sind. Seine Gedichte vibrieren geradezu von der Offenheit und Intensität seiner Wahrnehmung. Und sie sind auf erstaunliche Weise egalitär. Tranströmer ist vorbehaltlos und realitätsgetreu dem Wirklichen zugewandt, mit dem jedermann lebt, nur ist es für ihn nicht programmiert und reglementiert, sondern unabsehbar und in seiner Einfachheit voller Überraschungen. Er verweigert da alle Ausflüchte, auch wenn er nichts in einem Gedicht festhalten kann als Ratlosigkeit, auch wenn ihm nichts bleibt, außer dem immer neuen ungesicherten Versuch, verlässlich zu sprechen im Unverlässlichen. (...) Immer wieder gelesen, erschöpfen sich seine Gedichte nicht, sondern enthüllen immer deutlicher ihre Kraft.« Süddeutsche Zeitung

»In einer lauten Welt könne nur die leisen Worte berühren. Das wusste Nelly Sachs, als sie 1965 Gedichte Tomas Tranströmers erstmals ins Deutsche übertrug. Sie ahnte wohl, dass keiner die Sprache der Dichtung im 20. Jahrhundert so verändern würde, wie der am 15. April 1931 in Stockholm geborene Tranströmer. (...) Unter den großen zeitgenössischen Dichtern Europas ist Tranströmer derjenige, bei dem das Hermetische und das Für-Jedermann-Offene eine selten glückliche Verbindung eingehen.« Die Welt

»Einen ruhigeren, gelasseneren Ton als den seinen findet man kaum, einen Ton, dem nichts fremder wäre als das nervöse Herumsuchen nach einer Regung des Gefühls.« FAZ

über die Autoren
Tomas Tranströmer

Tomas Gösta Tranströmer wurde am 15. April 1931 in Stockholm geboren. Nach seinem Studium der Psychologie, Literatur und Geschichte arbeitete er mehrere Jahre an der Universität und als Psychologe in einer Jugendstrafanstalt. 1954 debütierte er dreinundzwanzigjährig mit dem Gedichtband 17 dikter (dt. 17 Gedichte). Neben vielen...

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