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Das Rainerbuch

Lou Andreas-Salomé - Rainer Maria Rilke

Die Begegnung mit der Autorin und Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé (1861 – 1937) ist ein entscheidender Wendepunkt in Rainer Maria Rilkes (1875 – 1926) Biographie. Im Sommer 1997 wird die 15 Jahre ältere Lou die Geliebte des Dichters. Sie wird zu seiner Partnerin, Muse und Mentorin. Bei ihr sucht er Trost und Rat. Sie ist ihm Mutterersatz, Schwester und am Ende auch Therapeutin. Bei ihr findet er Ruhe und Halt. Ihre Freundschaft währt über drei Jahrzehnte. Ungeachtet räumlicher und zeitlicher Trennungen bleibt Lou eine der wenigen festen Bezugspersonen in Rilkes heimatlosem Leben – bis zu seinem Tod, der die Freundin zunächst verstummen lässt.

Verlag Kaleidophon
ISBN 9783981080841
1970
vorgelesen von Karin Neuhäuser, vorgelesen von Rainer Süßmilch
12 x 14 cm. CD-Audio. 1. 1., Aufl..
lieferbar innerhalb von 2 Werktagen
Über den Artikel

Die Begegnung mit der Autorin und Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé (1861 – 1937) ist ein entscheidender Wendepunkt in Rainer Maria Rilkes (1875 – 1926) Biographie. Im Sommer 1997 wird die 15 Jahre ältere Lou die Geliebte des Dichters. Sie wird zu seiner Partnerin, Muse und Mentorin. Bei ihr sucht er Trost und Rat. Sie ist ihm Mutterersatz, Schwester und am Ende auch Therapeutin. Bei ihr  findet er Ruhe und Halt. Ihre Freundschaft währt über drei Jahrzehnte. Ungeachtet räumlicher und zeitlicher Trennungen bleibt Lou eine der wenigen festen Bezugspersonen in Rilkes heimatlosem Leben –  bis zu seinem Tod, der die Freundin zunächst verstummen lässt. Erst allmählich löst sich die Schreckensstarre, weicht einer nachdenklichen Trauer und dem Wunsch nach nochmaliger Begegnung mit dem Entschwundenen. Lou sucht ihn in seinen Briefen, spürt ihn in seiner Dichtung auf und ein halbes Jahr nach seinem Tod beginnt sie ihre Rilke-Biographie zu schreiben. Sie nennt sie das „Rainerbuch“. Lou ist zu diesem Zeitpunkt  66 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Friedrich Carl Andreas lebt sie zurückgezogen in ihrem Haus „Loufried“ in Göttingen. Sie erlebt die Arbeit an  der Biographie als letztes Beisammensein mit dem einstigen Geliebten und lebenslangen Freund. Mit dem „Rainerbuch“ legt Lou keinen bloßen Bericht über Rilkes Leben und die Genese seiner Dichtkunst vor, sondern blättert in seiner Seelengeschichte, schlüsselt sie psychologisch auf und dokumentiert, was von seiner Persönlichkeit und seinem Werk in ihr weiterlebt.
Karin Neuhäuser als reife, lebenserfahrene, in sich ruhende Lou Andreas-Salomé, die sich, umfangen von der friedlichen Geborgenheit ihres Hauses „Loufried“, der Trauer über den Verlust des Freundes stellt. Vor dem Hintergrund ihrer Menschenkenntnis, ihrer Erfahrung als Psychoanalytikerin und ihrer Arbeit als Schriftstellerin versucht sie das Phänomen Rilke zu ergründen. Während sie „der Kunde, die vom Verstummten anhebt, lauscht“, nähert sich der Entschwundene, und Rainer Süßmilch lässt Rilke noch einmal zu Wort kommen. Im Verlauf eines imaginären Zwiegesprächs vergegenwärtigt sich das Bild des Dichters und wird immer greifbarer. Durch atonale Musiksequenzen untermalt, verdichtet sich die Atmosphäre und lässt Rilke fast physische Präsenz gewinnen.

Autorenportrait:
Lou Andreas-Salomé wurde am 12. Februar 1861 in St. Petersburg geboren. Sie studierte in Zürich Theologie und Kunstgeschichte und war eine nahe Bekannte von Nietzsche, Hauptmann, Strindberg und Rilke. Sie selbst veröffentlichte etliche Romane, wandte sich aber nach einer Begegnung mit Sigmund Freud vor allem der Psychoanalyse zu. Lou Andreas-Salomé starb am 5. Februar 1937 in Göttingen.Rainer M. Rilke (1875-1926), der Prager Beamtensohn, wurde nach einer erzwungenen Militärerziehung 1896 Student, zuerst in Prag, dann in München und Berlin, weniger studierend als dichtend. Die kurze Ehe mit der Bildhauerin Clara Westhoff in Worpswede löste er 1902 auf. Er bereiste darauf Italien, Skandinavien und Frankreich. In Paris schloß er Bekanntschaft mit Rodin und wurde dessen Privatsekretär. Bereits nach acht Monaten kam es zum Bruch. Es folgten unstete Jahre des Reisens mit Stationen in verschiedenen Städten Europas. Nach seinem Entschluß zur Berufslosigkeit und zu einem reinen Dichterdasein war Rilke zu jedem Verzicht bereit, wenn es dem Werk galt. Er opferte sein Leben seiner Kunst und gewann Unsterblichkeit, indem er unerreichte Sprach- und Kunstwerke schuf. Im Ersten Weltkrieg war er zur österreichischen Armee eingezogen, wurde aber aufgrund seiner kränklichen Konstitution in das Wiener Kriegsarchiv versetzt. Rilke starb nach langer Krankheit in Val Mont bei Montreux.